Von hiten fotografierte Frau, die einen Weg entlang läuft

Prostituiertenschutzgesetz bietet keinen Schutz

Aidshilfe zieht Bilanz und fordert Förderprogramm

Vor rund einem Jahr ist das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. Die Aidshilfe NRW hat anlässlich dieses Jahrestags Bilanz gezogen und hält fest, dass das Gesetz seinen Namen nicht verdiene. Vor allem die Situation von Sexarbeiterinnen und -arbeitern in prekären Lebensverhältnissen habe sich verschlechtert. Für eine Erweiterung ihrer Beratungsstrukturen insbesondere dieser Menschen fordert die Aidshilfe von der NRW-Landesregierung ein Förderprogramm.

Hürden viel zu hoch


„Das Prostituiertenschutzgesetz hat viel Vertrauen zerstört, das von Ämtern und Beratungsstellen in den Jahren zuvor aufgebaut wurde. Schutzräume gingen verloren und die Hürden für in der Sexarbeit tätigen Menschen wurden viel zu hochgelegt“, erklärt  Peter Struck vom Vorstand des Landesverbands der Aidshilfen in Nordrhein-Westfalen. Gerade bei Menschen in prekären Lebensverhältnissen, etwa aufgrund von Wohnungslosigkeit, fehlender Papiere und fehlender Krankenversicherung, von Sprachbarrieren oder Drogenkonsum, kann das Gesetz die gewünschte Wirkung nicht entfalten. Es hindert diesen Personenkreis sogar an der Inanspruchnahme unterstützender Beratungsangebote. „Die Situation von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern in solchen prekären Lebenslagen hat sich inzwischen merkbar verschlechtert. Die Angst vor behördlicher Verfolgung drängt sie zum Teil aus dem öffentlichen Raum. Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt zu werden“, so Struck.

Erschwerte Bedingungen in der Arbeit mit Sexarbeiterinnen und -arbeitern


„Die Aidshilfe NRW, die Deutsche AIDS-Hilfe und andere Fachorganisationen hatten vergeblich vor den negativen Folgen des geplanten Gesetzes gewarnt. Die Aidshilfe NRW setzt sich nun verstärkt dafür ein, Menschen in der Sexarbeit zu beraten, ihnen Schutzräume zu bieten, Hilfestellungen zu geben und sie über Präventionsangebote gut zu informieren. „Da wir dies aber unter erschwerten Bedingungen tun, muss dieser Mehraufwand refinanziert werden. Für die Erweiterung der Beratungsstrukturen der in der Sexarbeit Tätigen, besonders für die in prekären Lebensverhältnissen, fordern wir von der Landesregierung ein entsprechendes Förderprogramm“, macht Stuck deutlich.